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Psychose

Eine Psychose beinhaltet einen akut gestörten Realitätsbezug: Das gestörte Erleben der eigenen Person sowie des Außenbezugs. Dies hat einige Folgen so unter anderem Wahnerleben, Wahrnehmungsstörungen, Erregungs- und Starrezustände.

Psychosen werden häufig mit schizophrenen Störungen gleichgesetzt, stehen aber auch für delirante Zustände oder den gestörten Realitätsbezug im Zusammenhang mit hirnorganischen Veränderungen (organische Psychose). Der Begriff wird auch für akute Episoden affektiver Störungen verwendet, wenn diese so ausgeprägt sind, dass der Realitätsbezug verlorengeht.

Die Behandlung psychotischer Störungen erfolgt in unserer Klinik gemäß dem sogenannten Vulnerabilitäts-Stress-Modell, dem zufolge die betroffenen Menschen eine individuelle Sensibilität und Verletzbarkeit aufweisen, so dass akute oder chronische Belastungen zu einem Zusammenbruch eines bisher bestehenden seelischen Gleichgewichtes führen können.

Dementsprechend ist für das therapeutische Vorgehen wichtig, dass Patienten ihre Sensibilität und Verletzbarkeit wie auch ihre Stärken und Fähigkeiten kennenlernen und einzuschätzen wissen, um Fertigkeiten zu entwickeln, persönliche Schutzmaßnahmen und Bewältigungsstrategien zu erarbeiten und anzuwenden.

 Dies gilt es zunächst im stationären Rahmen und später auch im Alltag umzusetzen, um einen Weg seelischer Stabilität ohne Überforderung und Unterforderung zu finden und aktiv und eigenverantwortlich das Leben wieder in die Hand nehmen zu können.

 Im Vordergrund der Behandlung steht nach der Diagnostik die Erarbeitung eines individuellen Behandlungsplanes. Wesentlich hierfür ist die Berücksichtigung der lebensgeschichtlichen Hintergründe, der biologischen Faktoren, der sozialen Gegebenheiten und der persönlichen Fähigkeiten und Stärken eines Patienten.

Neben einer stützenden und konfliktzentrierten Psychotherapie werden moderne Psychopharmaka eingesetzt, wobei wir mit den Patienten einen optimalen Weg hinsichtlich der erwünschten Wirkung und der Verträglichkeit suchen.

Angehörige werden auf Wunsch in die Behandlung einbezogen, der Kontakt zu ihnen wird unterstützt.

Die Behandlung wird von einem multiprofessionell zusammengesetzten Behandlungsteam gewährleistet. Hierdurch ist es möglich, dass in der Behandlung jedes Patienten die seelischen, körperlichen und sozialen Faktoren sowie ihre Zusammenhänge einbezogen werden können.

Die pflegerischen Mitarbeiter arbeiten entsprechend dem Bezugspflegesystem, was bedeutet, dass jedem Patienten ein/e pflegerische/r Mitarbeiter/Mitarbeiterin zugeordnet wird, der/die sich persönlich um dessen Bedürfnisse und Belange kümmert.

 Dem Soteria-Gedanken einer möglichst unterstützenden, die Selbstbestimmung fördernden Behandlung verpflichtet, bemüht sich das therapeutische Team, den Patienten pflegerische Bezugspersonen zur Seite zu stellen, an die sie sich jederzeit wenden können und die Station vormittags offen zu führen.

 Im Rahmen der Behandlung angeboten werden neben der fachärztlichen Visite

-          psychotherapeutische Einzelgespräche mit den Ärzten und              

           Psychologen

-          eine pflegerische Visite,

-          Psychopharmakotherapie,

-          Therapiegruppen zur Alltagsstrukturierung,

-          psychoedukative Gruppen,

-          Arbeits- und Ergotherapie,

-          Musiktherapie,

-          Yoga,

-          Tanz- und Bewegungstherapie,

-          Entspannungstraining,

-          eine Kochgruppe,

-          individuelle Belastungserprobung im Alltag und Berufsleben

           Wochenendbeurlaubung, Vorbereitung einer gestuften beruflichen

           Wiedereingliederung),

-          sozialarbeiterische Unterstützung.

Gemäß dem Behandlungsauftrag, individuell angepasste Lösungswege zu erarbeiten, unterstützen die Mitarbeiter die Patienten im Behandlungsverlauf sowohl auf der Station selbst wie auch auf dem Weg zurück in das bisherige Lebensumfeld (weiterführende Behandlungen in spezialisierten Stationen des Hauses, in der Tagesklinik, Kontaktvermittlung mit Tagesstätten oder Entlassungsvorbereitungen mit dem Ziel ambulanter Weiterbehandlung).

Zusätzlich zu den genannten Therapieverfahren wurde in der Klinik eine besondere Behandlung entwickelt, die sogenannte Psychoedukative Familienintervention (PEFI). Hierbei handelt es sich um eine Gruppentherapie, die für Patienten mit psychotischen Störungen gemeinsam mit ihren Angehörigen durchgeführt wird. Ziel der Gruppensitzungen ist die Vermittlung von Wissen über die Erkrankung, deren Behandlungsmöglichkeiten und die Förderung von Selbstheilungskräften, der Selbstbefähigung, des Krisenmanagements, der Entwicklung präventiver Strategien und einer gesundheitsförderlichen Lebensweise. Darüber hinaus werden Techniken zur Verbesserung der familiären Kommunikation vermittelt, um auf diesem Wege den Familien zu verbesserten Problemlösestrategien zu verhelfen. Diese in der Klinik entwickelte Behandlungsmethode wurde von uns wiederholt gemeinsam mit dem Institut für Psychologie der Technischen Universität Darmstadt auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass sich durch dieses Verfahren die Rückfallquote deutlich senken lässt. Ebenso verbesserten sich durch PEFI die Symptomatik, die Lebensqualität, die soziale Funktionsfähigkeit, das familiäre Klima und der so genannte Kohärenzsinn, womit gemäß dem Salutogenesekonzept von Antonovksy psychologische Fertigkeiten bezeichnet werden, die die Betroffenen in die Lage versetzen, trotz Krisen und Krankheit ihr Leben aus eigener Kraft zu bewältigen und einen neuen Lebenssinn zu finden. Die Psychoedukative Familienintervention hat sich insoweit als ein sehr machtvolles Instrument zur Förderung des so genannten Recovery-Prozesses, also der Wiederherstellung seelischer Gesundheit, erwiesen.

In Weiterentwicklung dieses Therapieverfahrens ist in der Klinik zusätzlich die so genannte Psychosewerkstatt entstanden, in der sich in regelmäßigen Abständen Patienten, ihre Angehörigen und Mitarbeiter der Klinik zusammenfinden, um Erfahrungen und Strategien zur Krankheitsbewältigung auszutauschen