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Angststörung

Angst ist ein Gefühl, das jeder Mensch kennt. Im Gegensatz zur Furcht, die sich auf etwas Bestimmtes bezieht, ist sie unbestimmt. Nach Soren Kierkegaard ist sie eine „gegenstandslose Stimmung“.

Angst besteht aus einem psychologischen und einem physiologischen Anteil, in denen Geist und Körper in besonderer Weise interagieren.

Sie kann Ausdruck einer Alarmreaktion sein. Damit können Bewältigungsstrategien entwickelt werden. Somit ist die Angst nach Sigmund Freud auch ein wichtiger Motor der Entwicklung. Ohne Angst ist ein Mensch nicht überlebensfähig, da er sich weder weiterentwickeln noch in Gefahrensituationen bestehen kann.

Angst kann sich jedoch auch im Rahmen verschiedener Krankheiten als Ausdruck der Krankheit entwickeln, dabei zu einer deutlichen Verstärkung des Krankheitsgeschehens bzw. zu einem eigenständigen Krankheitsbild, der Angststörung führen, in dem die Angst die Lebensbezüge immer mehr einengt.

Die Behandlung von Angststörungen folgt in unserer Klinik einem integrativen psychotherapeutischen Ansatz. Je nach Erfordernis werden sowohl verhaltenstherapeutische wie psychoanalytische Behandlungstechniken angewandt. Diese werden von einem multiprofessionellen Team aus Fachärzten, Psychologen, Fachkrankenpflegerinnen und -pflegern, Sozialarbeitern und Ergotherapeuten gemeinsam angeboten. Der auf die individuellen Bedürfnisse und zusammen mit den Patienten abgestimmte Behandlungsplan umfasst

-            psychotherapeutische Einzel- und Gruppengespräche

-            Entspannungstraining

-            Selbstsicherheitstraining

-            Expositionstraining

-            systematische Desensibilisierung

-            Yoga- Tanz- und Bewegungstherapie ebenso wie Musiktherapie und

-            bei Bedarf Hilfen bei der beruflichen Wiedereingliederung sowie

             individuelle Belastungserprobungen im Alltag und Berufsleben.

 

Die Behandlung erfolgt vorzugsweise auf den beiden Psychotherapiestationen 9/4 und 1/2. Die Stationen verfügen über 18 bzw. 22 Betten in Ein- und Zweibettzimmern.

 

Belastungsreaktion

Eine Belastungsreaktion ist häufig die Folge einer extremen psychischen Belastung. Sie kann durch das Erleben von Gewalt, Unfall oder Tod entstehen. Um diese Situation zu bewältigen, fehlen dem Betroffenen häufig die entsprechenden Lösungen (Strategien). Je nach Situation kommt es dann zu nicht angebrachten oder sinnlos erscheinenden Handlungen, die von starken emotionalen Schwankungen begleitet werden.

Belastungsreaktionen werden in der Regel auf den beiden Psychotherapiestationen behandelt, aber auch im Rahmen akuter Krisen auf den allgemeinpsychiatrischen Stationen. Die Behandlung besteht in erster Linie in einer stützenden und konfliktzentrierten Einzelpsychotherapie sowie in der Unterstützung bei der Bearbeitung von Beziehungskonflikten gemeinsam mit den Angehörigen und den Hilfen bei sozialen Notlagen.

 

 

Bipolare Störung

Bipolare Störungen beschreiben rasche Wechsel zwischen Depressionen und Manie. Jeder Mensch kennt Schwankungen der Gefühle. Manchmal ist die Stimmung gut, manchmal eher schlecht. Menschen mit bipolaren Störungen - auch - manisch depressive Krankheit - genannt, leben jedoch mit extremen Emotionen.

Meist beginnt die bipolare Störung im Übergangsstadium von der Kindheit zum Erwachsenensein des Menschen und wird oftmals erst Jahre später nach dem Ausbruch erkannt.

Wenn manische Zustände bestehen, erfolgt in der Regel eine Behandlung auf einer der allgemeinpsychiatrischen Stationen. Die hier angebotene Behandlung ist unter dem Stichwort Psychose näher ausgeführt.  

Bei depressiven Zuständen werden die Patienten ebenfalls auf einer der allgemeinpsychiatrischen Stationen aufgenommen, wenn im Rahmen einer akuten Selbstmordgefahr eine besonders intensive Betreuung und Fürsorge erforderlich sind.

Alle anderen depressiven Störungen werden in den beiden Psychotherapiestationen behandelt (Näheres ist unter dem Stichwort Depression zu finden), Menschen über 65 Jahren können aber auch auf einer der beiden gerontopsychiatrischen Stationen aufgenommen werden, wenn sie sich unter Gleichaltrigen wohler fühlen.

 

Depressionen

Die Depression ist die häufigste psychische Störung mit niedergeschlagen-gedrückter Stimmungslage, Antriebsminderung, eventuell Angst und Selbsttötungsneigung. Die Ursachen für eine Depression sind außerordentlich verschieden.

Bei besonders schweren Formen der Depression treten häufig unterschwellige oder akute Suizidgedanken auf. Schätzungen zufolge gehen der weitaus überwiegende Teil der jährlich 12.000 Suizide in Deutschland auf Depressionen zurück.
Eine adäquate Diagnostik sowie eine Therapie mit verschiedenen Behandlungsansätzen werden in den Vitos Kliniken, Tageskliniken und psychiatrischen Ambulanzen auf fachlich hohem Niveau geleistet.

Der Wechsel von Depressionen mit ausgeprägter Euphorie wird "Bipolare Störung" genannt. 

Depressive Erkrankungen können mit einer Reihe von körperlichen Symptomen einhergehen. Dazu gehören zum Beispiel Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit und sogar Schmerzen in verschiedenen Körperregionen.
Zu den Zeichen, die eine Diagnose Depression bestätigen, gehören vor allem: Antriebshemmungen, Stimmungseintrübungen, Schlafstörungen, chronische Abgeschlagenheit und innere Unruhe. Begleitet werden können diese Symptome durch Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Minderwertigkeitsempfindungen, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit und Ängstlichkeit. Ein weiteres Merkmal ist vermindertes oder erlahmtes sexuelles Interesse.

Die Station 9/4 ist auf die Behandlung depressiver Störungen spezialisiert. Ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Psychologen, psychiatrischen Fachkrankenschwestern und -pflegern, Arbeits-, Ergo- und Kunsttherapeuten, Sozialarbeitern und Seelsorgern führt die Behandlung auf der Grundlage einer psychotherapeutischen Basistherapie durch.

Großen Wert legen wir auf die Erarbeitung individueller Behandlungsziele mit jedem Patienten. In erster Linie wird dabei eine Besserung der im Rahmen der Depression bestehenden Symptome angestrebt. Darüber hinaus legen wir besonderen Wert auf eine salutogenetisch ausgerichtete Behandlung, die die Aktivierung der eigenen Ressourcen in besonderem Maße berücksichtigt. Jeder Patient verfügt auch stets über gesunde Anteile, die es zu entdecken und zu fördern gilt.

 Bei der Behandlung depressiver Störungen gehen wir von einem psychodynamischen Krankheitsmodell aus.  Zentral dabei und inzwischen auch wissenschaftlich gesichert, ist die Annahme eines depressiven Grundkonflikts und seine Bewältigung. Verlust-, Verunsicherungs- oder Enttäuschungserlebnisse in der Kindheit und Jugend sind wichtige Ursachen für die Entstehung der depressiven Erkrankung im späteren Leben.

Zu Beginn der Behandlung stellen wir durch ein unaufdringliches Zuhören die Bereitstellung von Zeit und Raum  unseren Patienten zur Verfügung um somit den Betroffenen die therapeutische Möglichkeit zu bieten ihre Verletzlichkeit in ihren Beziehungen, die in der Regel auf ein Zusammenspiel biologischer Faktoren und lebensgeschichtlicher Erfahrungen zurückzuführen ist, zu erkennen und zu berücksichtigen. Von Anfang an der Behandlung wird die Möglichkeit geboten geeignete Schutzmaßnahmen und Selbsthilfestrategien zu entwickeln und diese in ihrer Alltagsgestaltung berücksichtigen zu können.

Spezifische Therapieangebote sind:

-          psychotherapeutische Einzelgespräche

-          Psychopharmakotherapie

-          Lichttherapie (optional)

-          Schlafentzug (optional)

-          Depressionsgruppe Basis (störungsspezifisch)

-          Depressionsgruppe Aufbau (ausdruckszentriert)

-          Selbstsicherheitstraining

-          Entspannungstraining

-          Psychoedukation

-          Bewegungstherapie

-          Ergotherapie

-          Kunsttherapie

-          Hirnleistungstraining

-          Yoga

-          Physiotherapie

-          Bewegungs- und Ernährungsgruppe

-          individuelle Belastungserprobungen im Alltag und im Berufsleben

 

Im weiteren Behandlungsverlauf sind nach der  Erarbeitung eines spezifischen Krankheits- und Störungsverständnisses, der Schutz- und Selbsthilfemaßnahmen die Erarbeitung, Erprobung und Einübung  von hilfreicheren Bewältigungs- und Beziehungsstrategien, sowie das Erkennen von Frühzeichen. Im Vorfeld der Entlassungsplanung wird das Kennenlernen und rechtzeitige Beachten von Frühwarnzeichen der Depression besonders beachtet. Wenn die Patienten lernen, ihre Frühwarnzeichen zu erkennen und geeignete Schutz- und Entlastungsmaßnahmen einleiten, kann der Ausbruch einer psychischen Erkrankung in den meisten Fällen verhindert oder die Krankheitsphase zumindest gemildert werden.

Wir unterstützen unsere Patienten bei der Vorbereitung und Einleitung geeigneter Nachsorgemaßnahmen in Kooperation mit den teilstationären und ambulanten Diensten im Versorgungsgebiet der Klinik.

Durchgehend steht im Mittelpunkt unserer Depressionsbehandlung die Förderung, Wiedererlangung und Erhaltung der alltagswichtigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Selbstversorgung und Selbstfürsorge sowie die Übernahme von Eigenverantwortung und Selbststeuerung.

 

 

 

 

Essstörung

Die Essstörung ist eine Verhaltensstörung, die oftmals ernsthafte und langfristige Gesundheitsschäden nach sich zieht.

Es handelt sich hierbei um Störungen bei der Nahrungsaufnahme bzw. ihre Verweigerung. Auslöser sind häufig psychosoziale Störungen und eine gestörte Einstellung zum eigenen Körper.

Essstörungen haben einen psychischen Hintergrund, wobei hier das Essen oder das Hungern als Problemlöser eingesetzt werden. Dabei ist der Übergang von einem auffälligen zu einem krankhaften Essverhalten fließend.

Essstörungen werden mit einer auf die besonderen Bedürfnisse der Betroffenen abgestellten Psychotherapie auf den Stationen 9/4 und 1/2 behandelt. Die angewandten Therapieprinzipien sind in dem Abschnitt über psychosomatische Störungen aufgeführt

Gerontopsychiatrie

Die Gerontopsychiatrie beschäftigt sich mit psychischen Erkrankungen im Alter, deren Besonderheiten darin liegen, dass die körperlichen und auch situativen Veränderungen des alten Menschen bestimmte Krankheitsbilder modifizieren, was auch in besonderem Maße für die Verträglichkeit und Anwendbarkeit von Medikamenten gilt.

und zum anderen Störungen der Hirnfunktionen selbst, beispielsweise in Form der Alzheimerschen Erkrankung aber auch Depressionen, Belastungsreaktionen sowie Psychosen und Abhängigkeitserkrankungen.

Die Behandlung erfolgt auf den beiden gerontopsychiatrischen Stationen 9/2 und 9/3. Beide Stationen verfügen über je 23 Betten in Zwei-Bett-Zimmern.

Die Behandlung erfolgt nach einem Gesamtbehandlungsplan, der einzel- und gruppentherapeutische ebenso wie psychotherapeutische und sozialpsychiatrische Behandlungsansätze integriert und die spezifischen fachlichen Kompetenzen aller beteiligten Berufsgruppen in einem abgestimmten Behandlungsplan bündelt.

Ziele der Behandlung sind Heilung, Besserung und Linderung der Beschwerden sowie die Wiederherstellung von Gesundheit, die Verbesserung der Lebenszufriedenheit und die Stärkung der Selbstbefähigung. Weitere Ziele sind der Aufbau einer Tagesstruktur, die Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten, die Förderung einer sicheren Mobilität, eine verbesserte Kommunikationsfähigkeit, die Herstellung sozialer Kontakte und die Vermittlung zu geeigneten Lebensräumen.

Bei Demenz-Ersterkrankungen wird eine ausführliche Diagnostik durchgeführt, um behandelbare Demenzursachen herauszufinden. Bei allen Patienten erfolgt eine eingehende psychiatrische, internistische und neurologische Untersuchung, daneben Laboruntersuchungen, EKG und EEG Ableitung, bei Bedarf auch Röntgenuntersuchungen des Thorax und/oder der Knochen. Bei bestimmten Krankheitsbildern werden eine Computertomographie oder Kernspintomographie des Gehirns veranlasst, diese Untersuchungen werden in der Regel in einer Röntgenpraxis in Darmstadt durchgeführt.

Das übergeordnete Ziel unserer Therapieangebote besteht in der Schaffung eines Sicherheit gebenden, Struktur fördernden und aktivierenden therapeutischen Milieus. Angeboten werden

-       soziotherapeutische Gruppen (Kochgruppe, Ausflugs-

        und Einkaufsgruppe, Cafeteria-Besuch, Morgenrunde,

        Meeting, Singgruppe mit Unterstützung der

        Laienhelfer, Entspannungsgruppe,

         Konzentrationstraining),

-        psychoedukative Gruppen (Medikamentengruppe,

         Gesprächsgruppe für depressive Patienten,

         Angehörigengruppe),

-        Bewegungstherapie (Bewegungsgruppe zur

         Kreislaufaktivierung, Mobilisierung und Kräftigung,

         Einzelarbeit zur Verbesserung und Erhaltung der

         Beweglichkeit und Gehfähigkeit, Training von

        Techniken zur Verbesserung der Gehfähigkeit mit

        Hilfsmitteln, Entspannung und Verbesserung der

        Körperwahrnehmung durch taktile Angebote wie z.B.

        Igelballmassage),

-          Physiotherapie

-          Ergotherapie

-          rezeptive Musiktherapie,

-          psychologische Einzelgespräche und

           Gesprächsgruppen

 

Krisenbehandlung

Seelisch stark belastende Ereignisse können jeden Menschen treffen. Kann der Betroffene die zunächst überwältigende Situation positiv wenden und meistern, wird dies zu einer Stärkung seiner psychischen Belastbarkeit beitragen. Wird die Situation als seelische Katastrophe erlebt, kann es zu vorübergehenden, ggf. auch zu dauerhaften psychischen Störungen kommen.

Wenn eine Krise sich zuspitzt oder hereinbricht und die Situation ausweglos erscheint, brauchen Menschen Hilfe, schnell und unbürokratisch.

Die Ursachen und Auslöser einer Krise sind individuell verschieden:

  • Familiäre Konflikte
  • Trennungen oder Verluste
  • Bedrohliche Erkrankungen
  • Lebensveränderungen, z.B. unerwartete Arbeitslosigkeit oder finanzielle Notlagen
  • Gewalterfahrungen  

Ebenso können die Erscheinungsformen und Symptome sehr unterschiedlich sein:  

  • Ängste und Panikzustände
  • Reizbarkeit und Aggressivität
  • Schlafstörungen und Nervosität
  • Körperliche Beschwerden (psychosomatische Symptome)
  • Suizidgedanken
  • Depressive Verstimmungen  

Das Gespräch mit einem professionellen Berater kann bereits entlasten. Kurzfristig Abstand aus dem Krisenumfeld ist meist hilfreich. Mit der stationären Aufnahme gelingt es, Distanz zu gewinnen und Schutz gegenüber dem Krisenumfeld zu erhalten.

Krisen werden auf den hierfür spezialisierten allgemeinpsychiatrischen Stationen im Haus 13 behandelt. Hierfür stehen 3 Stationen mit je 20 bis 23 Betten in Zwei-Bett-Zimmern zur Verfügung.

Die Behandlung akuter Krisen liegt in der Hand multiprofessioneller Teams gebildet aus Fachärzten, Psychologen, Fachpflegerinnen und Pflegern und Sozialarbeitern.

Zunächst erfolgt eine sorgfältige Diagnostik unter Mitwirkung der Angehörigen und die Festlegung eines vorläufigen Behandlungsplanes.

Die Behandlung umfasst Einzelpsychotherapie, eine stützende Begleitung sowie eine Psychopharmakotherapie falls erforderlich. Nach Abklingen der akuten Symptome werden gemeinsam mit dem Betroffenen die weiteren Behandlungsschritte verabredet und durchgeführt.

 

Manie

Unter einer Manie versteht man ein krankhaft gesteigertes Lebensgefühl mit einer erhöhten Aktivität. Dazu gehören auch Veränderungen der Gefühls- und Gemütslage. Sie können zu Gefährdungen durch Verlust der Eigenkontrolle mit rastloser Aktivität oder nicht mehr angemessenen geschäftlichen und privaten Handlungen (hohe Geldausgaben, übermäßige Einkäufe und Bestellungen) führen.

Manische Zustände können sich zu akuten Krisen zuspitzen und werden dann entsprechend den unter dem Abschnitt Krisen aufgeführten Prinzipien behandelt.